Bava Metzia 223

Kapitel 223

א ואידך ההוא מיבעי ליה לכדתניא (דברים כד, טו) ואליו הוא נושא את נפשו מפני מה עלה זה בכבש ונתלה באילן ומסר את עצמו למיתה לא על שכרו
1 Und der andere!? — Dies verwendet er für folgende Lehre: <i>Denn darnach verlangt seine Seele</i>; weshalb stieg dieser auf die Leiter, hing sich an den Baum und setzte sich der Todesgefahr aus: etwa nicht wegen seines Lohnes?
ב דבר אחר ואליו הוא נושא את נפשו כל הכובש שכר שכיר כאילו נוטל נפשו ממנו רב הונא ורב חסדא חד אמר נפשו של גזלן וחד אמר נפשו של נגזל
2 Eine andere Erklärung: <i>Denn darnach verlangt seine Seele</i>; wenn jemand den Lohn eines Mietlings zurückhält, so ist es ebenso, als würde er ihm seine Seele nehmen. R. Hona und R. Ḥisda [streiten hierüber]; einer erklärt: die Seele des Räubers, und einer erklärt: die Seele des Beraubten.
ג מאן דאמר נפשו של גזלן דכתיב (משלי כב, כב) אל תגזל דל כי דל הוא ואל תדכא עני בשער וכתיב (משלי כב, כג) כי ה' יריב ריבם וקבע את קבעיהם נפש ומ"ד נפשו של נגזל דכתיב (משלי א, יט) כן ארחות כל בוצע בצע את נפש בעליו יקח
3 Einer erklärt: die Seele des Räubers, denn es heißt: <i>beraube nicht den Geringen, weil er gering ist, und zermalme nicht den Elenden am Tore</i>, und ferner heißt es:<i>denn der Herr wird ihren Streit führen und wird die, die sie berauben, ihrer Seele berauben</i>. Der andere erklärt: die Seele des Beraubten, denn es heißt:<i>das ist die Art des nach Habe Geizenden, er nimmt die Seele seines Herrn.</i> —
ד ואידך נמי הכתיב את נפש בעליו יקח בעליו דהשתא ואידך נמי הכתיב וקבע את קבעיהם נפש מה טעם קאמר מה טעם קבע את קבעיהם משום דנטלו נפש:
4 Wie erklärt jener den Schriftvers: <i>er nimmt die Seele seines Herrn</i>!? — Seines jetzigen Herrn. — Wie erklärt der andere den Schriftvers: <i>er wird die, die sie berauben, ihrer Seele berauben</i>!? — Dies ist eine Begründung: er wird die, die sie berauben, deshalb berauben, weil sie die Seele rauben.
ה אימתי בזמן שתבעו לא תבעו אינו עובר עליו: ת"ר לא תלין פעולת שכיר יכול אפילו לא תבעו ת"ל אתך לדעתך
5 D<small>IES NUR DANN, WENN</small> [<small>DER</small> A<small>RBEITER</small>] <small>HIN MAHNT, WENN ER IHN ABER NICHT MAHNT, SO ÜBERTRITT ER SIE NICHT</small>. Die Rabbanan lehrten: <i>Du sollst den Lohn eines Mietlings nicht übernachten lassen</i>; man könnte glauben, selbst wenn jener ihn nicht mahnt, so heißt es: <i>bei dir</i>, wenn es an dir liegt.
ו יכול אפי' אין לו ת"ל אתך שיש אתך יכול אפי' המחהו אצל חנוני ואצל שולחני ת"ל אתך ולא שהמחהו אצל חנוני ואצל שולחני:
6 Man könnte glauben, auch wenn er nichts hat, so heißt es: <i>bei dir</i>, wenn er sich bei dir befindet. Man könnte glauben, auch wenn er ihn an einen Krämer oder einen Wechsler verweist, so heißt es: <i>bei dir</i>, nicht aber, wenn er ihn an einen Krämer oder einen Wechsler verweist.
ז המחהו אצל חנוני ואצל שולחני אינו עובר: איבעיא להו חוזר או אינו חוזר רב ששת אמר אינו חוזר ורבה אמר חוזר
7 V<small>ERWEIST ER IHN AN EINEN</small> K<small>RÄMER ODER EINEN</small> W<small>ECHSLER, SO ÜBERTRITT ER SIE NICHT</small>. Sie fragten: Kann er wiederkommenoder nicht? R. Šešeth sagt, er könne nicht wiederkommen, Rabba sagt, er könne wohl wiederkommen.
ח אמר רבה מנא אמינא לה מדקתני אינו עובר עליו מעבר הוא דלא עבר הא מיהדר הדר ורב ששת אמר מאי אינו עובר אינו בתורת לעבור:
8 Rabba sagte: Dies entnehme ich aus folgendem: er lehrt, daß er [die Vorschriften] nicht übertrete; er übertritt sienicht, wohl aber kann [der Arbeiter] wiederkommen. R. Šešeth aber erklärte: Unter ‘übertritt er sie nicht’ ist zu verstehen, bei ihm gibt es keine Übertretung mehr.
ט בעו מיניה מרב ששת קבלנות עובר עליו משום בל תלין או אין עובר משום בל תלין
9 Sie fragten R. Šešeth: Begeht man bei der Akkordarbeit das Verbot des Übernachtenlassensoder nicht:
י אומן קונה בשבח כלי והלואה היא או אין אומן קונה בשבח כלי ושכירות היא
10 eignet der Handwerker den Mehrwert des Gerätes, somit ist dies ein Darlehen, oder eignet der Handwerker nicht den Mehrwert des Gerätes, somit ist dies eine Lohnarbeit?
יא אמר להו רב ששת עובר והתניא אינו עובר התם שהמחהו אצל חנוני ואצל שולחני
11 R. Šešeth erwiderte ihnen: Man begeht es. — Es wird ja aber gelehrt, man begehe es nicht!? — Dies gilt von dem Falle, wenn er ihn an einen Krämer oder einen Wechsler verwiesen hat.
יב נימא מסייעא ליה הנותן טליתו לאומן גמרה והודיעו אפי' מכאן ועד עשרה ימים אינו עובר משום בל תלין נתנה לו בחצי היום מששקעה עליו חמה עובר משום בל תלין
12 Ihm wäre eine Stütze zu erbringen: Wenn jemand einem Handwerker ein Gewand übergeben und dieser [die Arbeit] beendigt und ihm dies mitgeteilt hat, so begeht er nicht das Verbot des Übernachtenlassens, selbst nach zehn Tagen; hat er es ihm mitten am Tage abgeliefert, so begeht er, sobald die Sonne untergeht, das Verbot des Übernachtenlassens. Wieso begeht er es,
יג ואי אמרת אומן קונה בשבח כלי אמאי עובר
13 wenn du sagen wolltest, der Handwerker eigne den Mehrwert des Gerätes!?
יד אמר רב מרי בריה דרב כהנא בגרדא דסרבלא למאי יהבה ניהליה לרכוכי היינו שבחיה
14 R. Mari, Sohn des R. Kahana, erwiderte: Dies gilt von einem Kleiderwalker. — Wozu gab er es ihm? — Um es geschmeidig zu machen. — Darin besteht ja der Mehrwert!? —
טו לא צריכא דקא אגריה מיניה לבטושי בטשא ובטשא במעתא:
15 In dem Falle, wenn er ihn zum Walken gemietet hat, jeden Schlag für eine Maa͑.